Unter uns (Mamitipps)

Du raubst mir manchmal all meine Kraft

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Du raubst mir manchmal all meine Kraft, aber ich liebe dich, du kleines Wunder!

 

Die Leute wollen immer hören, wie schön es ist, Kinder zu haben, und das ist es auch. Aber über die Tage, die einem jegliche Kraft rauben sprechen nur wenige, denn das gehört sich nicht, oder es will keiner wissen.

Kinder zu haben ist etwas Wunderbares und manchmal auch ein Drahtseilakt, bei dem keiner applaudiert, was manchmal schon ganz schön toll wäre. Am Anfang dachte ich, wenn die ersten 3 Monate rum sind, dann pendelt sich alles ein und man macht das mit links und ohne zu murren. Man macht das auch mit links, aber nicht immer ohne murren (mit dem Schlafmangel auch nur verständlich). Aus den 3 Monaten wurden dann 6 Monate, in denen man sich dachte: „ Mensch, jetzt muss doch mal der abendliche Rhythmus einkehren und wir können langsam alle wieder besser schlafen, um Kraft zu sammeln!“ und „Warum weint sie denn immer noch, wenn sie gebadet wurde, gekuschelt wird, der Bauch massiert wurde, eine frische Windel am Popo ist, das Bäuchlein voll und der Schnuller im Mund ist…“ Nach 19 Monaten sage ich euch: Schlafen können wir immer noch nicht so gut und kaputt sind wir auch. Kaputt von der Kita-Eingewöhnung und den vielen Krankheitsphasen.

„Dieser kleine Süssfrosch, der unser Leben so auf den Kopf stellt, ist jeden Schlafmangel wert“: So etwas sagt eine gute Mutter doch, oder? Das wollen doch immer alle hören! So ist es auch, aber ich sage heute einfach mal, was manche Mütter gerne aussprechen würden: „ Mein Kind macht mich manchmal echt fertig.“

Die schlimmsten Phasen bis jetzt waren für mich die Phasen, in denen ich nicht wusste, warum es Lia gerade so geht und wie ich ihr helfen kann. Die abendlichen Bauchschmerzen bzw. die vermuteten Bauchschmerzen als Neugeborenes, oder die Wutanfälle, die völlig unerwartet über uns hereinbrachen.

Vor allem die Wutanfälle haben es mir negativ angetan, mitten in der Einkaufspassage macht das Kind einen Bauchklatscher mit sirenenartiger Ansage und grölt in den höchsten Tönen, die ein menschliches Ohr wahrnehmen kann los. Ich stand da wie angeschossen und hätte am liebsten losgelacht, aber wir sind ja erwachsen und ein Vorbild und müssen richtig reagieren. Also habe ich mich zu Lia gekniet und gefragt, was denn passiert sei, dass sie so schrecklich weinen muss. Die Antwort überstieg die Schallwahrnehmung eines Menschen und ich versuchte es mit kuscheln. Lia hochheben war überhaupt nicht möglich, da sie anfing, um sich zu schlagen und noch lauter zu grölen. Ich war echt verzweifelt und dachte nur: Wow, das fängt aber gewaltig früh an mit den Wutanfällen. Nach meinen weiteren Strategien „missachten“ und „kurz schimpfen“ gab ich auf und hob sie trotz Treten hoch und hielt sie so lange im Arm, bis sie sich beruhigte und vor Erschöpfung einschlief. Das war’s, sie war einfach nur hundemüde. Ich brauchte noch 3 weitere Wutanfälle, um das zu verstehen, aber bis dahin war es wirklich nervenaufreibend. Es gibt so Tage und Wochen, wo man denkt: „Oh Gott, wie komm ich da wieder raus, wird das je wieder besser?“. In solchen Momenten denkt man nicht an die Bilderbuchfamilie, die am Esstisch sitzt und sich erzählt, wie toll der Tag war. Man denkt an eine einsame Insel und einen leckeren Caipi.

In dieser Zeit sollte man sich besonders unterstützen und es muss sich auch jeder eine Auszeit gönnen, um Kraft zu schöpfen, denn dann ist der darauf folgende Tag nur noch halb so schlimm, manchmal.

8 Kommentare zu „Du raubst mir manchmal all meine Kraft

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