Unter uns (Mamitipps)

Postnatale Depressionen/Babyblues-zwei betroffene Mamas im Interview

Um einen Einblick in das Thema „Babyblues“ und „Postnatale Depressionen“ zu erhalten, habe ich 2 Mamas interviewt,

nennen wir sie „Rosi“ und „Verena“. Beide Mütter haben eine Kaiserschnittgeburt hinter sich und hatten ca. 1 Woche nach der Geburt mit Ängsten, Stillproblemen und Tränen zu kämpfen. Wie sie sich in diesen Momenten gefühlt haben und was sie anderen Müttern raten, könnt ihr im folgenden Interview nachlesen.

 

Was ist ein Babyblues?

Der Babyblues tritt direkt nach der Geburt des Kindes auf und äußert sich mit Stimmungsschwankungen, Ängsten und Erschöpfung. Durch Unsicherheit und verschiedene Faktoren wie Muttermilchbildung und Hormonabfall nach der Geburt vermutet man dies als Auslöser. Der Babyblues vergeht nach ein paar Tagen und muss nicht behandelt werden.

Wie kann ich helfen: Unterstütze die frische Mama und höre ihr bei ihren Gedanken zu, umsorge sie und zeige ihr, dass sie ein gute Mutter ist.

 

Was sind postnatale Depressionen?

Eine postnatale Depression tritt bei jeder vierten Frau nach einer Geburt auf und ist in der Ausgeprägtheit des Krankheitsbildes schwerwiegender als ein „Babyblues“. Die Ängste und Sorgen vergehen nicht nach wenigen Tagen, sondern verstärken sich meist, sie treten auch manchmal erst Tage oder Monate nach der Geburt des Kindes auf. Betroffene Mütter fühlen sich schuldig, humorlos, gereizt und weinerlich, fühlen sich ihrem Baby gegenüber fremd und sind ständig erschöpft und überfordert.

Wie kann ich helfen: Spreche mit den Betroffenen über Hilfestellungen wie eine Gesprächstherapie, die eine Hebamme oder der Frauenarzt in die Wege leiten kann. Sei für die Person da und unterstütze sie, bestärke sie an einen Aufschwung zu glauben.

 

Verenas Geschichte

Verena hat eine mittlerweile 2-jährige Tochter, die per geplantem Kaiserschnitt auf die Welt kam. Sie konnte ihre Tochter nach der Geburt nur ein paar Sekunden sehen und sah sie erst auf der Intensivstation im Inkubator wieder. Ihre Tochter hatte Geburtsverletzungen und musste beobachtet werden. Stillprobleme und Ängste kamen nach der Geburt dazu, doch Verena wollte nicht darüber reden. Als ihre Hebamme sie auf das Thema „PND“ ansprach, erkannte sie die Situation und lies sich helfen.

„Dein Kind liebt dich, egal wie du bist!“

Wie hast du dich in der Schwangerschaft gefühlt, gab es Probleme?

Ich habe mich so auf sie gefreut und fragte mich jeden Tag, wann         es endlich so weit sei? Ich hatte einen Nierenstau in der Schwangerschaft, aber sonst gab es eigentlich keine Probleme.

Was waren deine ersten Gedanken nach der Geburt?

Man hat sie mir nach der Geburt (Kaiserschnitt) gezeigt und meine ersten Worte waren: „Schatz, nimm sie, mir ist schlecht!“ Mir war einfach nur schlecht und ich konnte den Moment gar nicht genießen und war wie betrunken. Dann wurde ich nach der OP zu ihr auf die Intensivstation gebracht und sah sie im Inkubator liegen. Ich konnte nur noch weinen vor Angst.

Wann hat die Depression begonnen und wie hat sie sich bei dir geäußert?

Direkt nach der Geburt. Ich hatte schreckliche Angst um sie, ich hatte diese Angst aber als Pflichtgefühl empfunden, denn eine gute Mutter hat doch Angst um ihr Kind. „Was bin ich für eine Mutter, wenn ich jetzt keine Angst um sie habe!“ dacht ich. Dazu kamen noch Stillprobleme und der Druck von außen alles richtig machen zu müssen. Ich wollte einfach nur alleine sein. Ich wollte das man mir das Kind abnimmt, damit ich sie nicht bei mir habe. Denn wenn sie bei mir war, hatte ich den Druck wieder eine gute Mutter sein zu müssen. Ich hatte keine Zeit aufzuatmen und mich wie bei einer normalen Geburt auf mein Kind während dem Geburtsvorgang zu freuen und auf meine Rolle vorzubereiten. Natürlich war ich wie alle Mamas neun Monate schwanger, aber diese Zeit reichte auf einmal nicht mehr.

Was war für dich das Schlimmste in dieser Zeit?

Das ich sie nicht sofort geliebt habe, als ich sie sah. Ich hatte Angst vor mir selbst, vor meinen verbotenen Gefühlen.

Was hat dir geholfen und was wäre dein Tipp an betroffene Mamas?

Mein Mann wusste 4 Monate lang gar nichts von meinen Ängsten, ich habe es ihm erst danach erzählt. Er konnte nicht verstehen, dass ich mein Kind nicht sofort lieben konnte und dies als Pflichtgefühl wahrgenommen habe. Ich war einfach überfordert und habe meine Gefühle verborgen. Ich rate allen Mamas mit solchen Gedanken und Gefühlen sofort darüber zu sprechen und es nicht als „kranke Gedanken“ zu bezeichnen, denn man braucht einfach nur Unterstützung. Als ich die Wohnung zuhause betreten habe, war alles wie verflogen und mir ging es gut. Ich habe einfach meine Familie und meinen sicheren Hafen um mich gebraucht.

 

Rosis Geschichte

Rosi hat einen mittlerweile 5 Monate alten Sohn, der ebenfalls per Kaiserschnitt zur Welt kam. Er ist ein absolutes Wunschkind, daher konnte Rosi ihre Gedanken und Gefühle überhaupt nicht einordnen. Ihr Junge wurde direkt nach dem Kaiserschnitt auf die Intensivstation gebracht, bevor sie ihn sehen durfte. Er hatte Schwierigkeiten selbstständig zu atmen und musste betreut werden. Während sie sich auf ihrem Zimmer wie eine Mutter ohne Kind fühlte und die Milch einfach nicht einschießen wollte, begannen die Ängste und Vorwürfe in ihrem Kopf zu wachsen. „Ist es das was ich wollte?“ „Bin ich wirklich Mutter geworden?“  „Böse“ Gedanken und ihre eigenen Gesundheitsprobleme verschärften die Situation und sie suchte sich Hilfe bei ihrer Hebamme.

„Es sind einfach nur die Hormone die uns verrückt werden lassen.“

 

Wie hast du dich in der Schwangerschaft gefühlt, gab es Probleme?

Die Schwangerschaft verlief gut. Ich hatte zwar mit zunehmendem Gewicht zu kämpfen und mal hier und da hat es gezwickt, aber im großen und ganzen hatte ich eine sehr tolle Schwangerschaft.

Was waren deine ersten Gedanken nach der Geburt?

Mein erster Gedanke war nur bei meinem Baby.  Ich überlegte, wie es wohl aussieht, ob es gesund ist und ob es Haare hat.

Wann hat die Depression begonnen und wie hat sie sich bei dir geäußert?

Die Depressionen hat sich dann am ersten Tag der Geburt zunehmend gesteigert. Ich musste nur noch weinen und stellte plötzlich alles in Frage. Ich überlegte, ob es die richtige Entscheidung war schwanger zu werde und ob es wirklich das ist, was ich wollte.

Was war für dich das Schlimmste in dieser Zeit?

Die Angst, meinem Kind nicht die nötige Liebe zu geben die es braucht und meine schlechten Gefühle auf das Baby zu übertragen.

Was hat dir geholfen und was wäre dein Tipp an betroffene Mamas?

Genau genommen weiß ich nicht was mir geholfen hat, vielleicht einfach die Zeit und das gute Zureden von meinem Partner und der Hebamme.
Ich rate anderen Müttern offen über ihre Gefühle zu sprechen und sich nicht dafür zu schämen. Unterdrückt es nicht und Sucht euch wenn nötig professionelle Hilfe. Es sind einfach nur die Hormone die uns verrückt werden lassen.

6 Kommentare zu „Postnatale Depressionen/Babyblues-zwei betroffene Mamas im Interview

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